Sein lassen schafft Frieden
Dieses Thema bewegt uns immer wieder! Es geht uns alle an, Männer wie Frauen. Da der Rising Women Tribe sich als Schwesternschaft versteht, sind die folgenden Worte in den Mantel der Weiblichkeit gekleidet. Dies soll unsere Männer, Brüder, Väter und Freunde aber nicht davon abhalten, sich ebenfalls von diesen Gedanken berühren und bewegen zu lassen. Dazu laden wir hiermit ausdrücklich alle Männer ein, die entsprechenden Passagen im Text für sich einfach abzuändern.

In unserer Gesellschaft ist Meinungsfreiheit ein Grundrecht! Das Grundgesetz garantiert uns, eine Meinung haben zu dürfen und diese auch laut und öffentlich zu äußern. In vielen Ländern der Welt haben besonders Frauen, oftmals aber auch Männer, dieses Recht nicht….
Aber auch mit dem Recht auf unserer Seite finden wir uns tatsächlich nicht selten in ganz alltäglichen Situationen wieder, in denen die Realität leider ganz anders aussieht.
Rechthaberei, Neid, Missgunst… all das lässt sich so oft beobachten, wo Frauen aufeinander treffen. Oftmals scheint es, als begegneten wir uns auf einem Schlachtfeld des Rechthabe-Krieges, in dem hart mit Wort-Waffen gekämpft wird und wir uns gegenseitig schwere Verletzungen zufügen.

Wer kennt nicht den Schmerz, wenn wir mit unserer Meinung alleine gegen eine Mehrheit stehen, die uns mit der verbalen Brechstange davon zu überzeugen versucht, dass sie doch „Recht“ hat? (Nur weil sie in der Mehrheit sind?) Wer hat nicht schon einfach mal geschwiegen, weil die Angst vor niederschmetterndem Gegenwind die Zunge lähmt?
Dabei scheint der Gedanke, dass verschiedene Meinungen nebeneinander gleichberechtigt bestehen können, nahezu undenkbar zu sein.

Aber spielen wir doch trotzdem einmal mit der Idee:

Zwei Frauen diskutieren über einen Gedanken. Ihre Standpunkte sind dabei sehr verschieden. Trotzdem haben sie genug Respekt vor den Gedanken ihrer Gesprächs-Partnerin, um sie nicht mit verbaler Gewalt von ihren eigenen Ansichten überzeugen zu wollen. Sie schauen einander in die Augen. Sie hören einander zu. Möglicherweise differenzieren sie sogar und stellen fest, dass sie sich mit einzelnen Aspekten in der Argumentation der Anderen anfreunden können, vielleicht aber auch nicht.
Sie beenden ihre Diskussion, nachdem alle Punkte gesagt und vor allem auch gehört wurden und nicht erst, wenn eine „Recht“ (bekommen) hat. Denn aus ihrer jeweils individuellen Sicht mögen sie beide „Recht“ haben! Und möglicherweise haben sie trotz unterschiedlicher Meinungen am Ende ein Stück weit Verständnis für die Andere. Eine fruchtbare Kommunikation besteht auch darin, diesen Zauber des gegenseitigen Respektieren zu erkennen und zu erleben.

Oft scheint es, als sei eine Meinungsänderung in einem Disput eine unverzeihliche Schwäche. Aber zeigt nicht diejenige mehr Mut und Weisheit, die auch in der Lage ist, einen „Trugschluss“ oder auch nur ein Missverständnis einzuräumen? Und dennoch scheint die Angst weit größer zu sein, eines Irrtums überführt zu werden, was nicht selten noch mit Hohn und Spott bestraft wird und solch ein Erstarren ein Stück weit verständlich macht. Jede einzelne hat solch eine Situation schon erlebt und erinnert sich noch gut an das bittere Gefühl in der Kehle, das Brennen in den Augen von krampfhaft zurück gehaltenen Tränen der Enttäuschung oder des Zorns. Traurig, dass sich in solchen Momenten oft mehrere gegen Eine verschwören, anstatt sich gegenseitig mit Respekt zu behandeln.

Warum ist das Sein-Lassen so schwer? Dafür gibt es viele Gründe. Angst, Neid, Glaubenssätze u.v.m.… Die meisten davon sind nicht mal bewusst. Darum ist es auch so schwer, diese Muster zu verändern. Schwer bedeutet aber auch, dass es nicht unmöglich ist. Das ist die gute Nachricht.
Dazu müssen wir nicht mal inhaltlich mit dem übereinstimmen, was unser Gesprächspartnerin sagt. Es fehlt meistens nur an einem Verständnis für ihre Perspektive!

~Urteile nie über einen anderen, wenn du nicht einen Mond
lang in seinen Mokassins gelaufen bist~
Indianer-Sprichwort

Und hier bewegen wir uns weg von der inhaltlichen Relevanz zu empathischen Fähigkeiten. Sich in einen anderen Menschen hinein zu versetzen befähigt uns, aus seinen Augen heraus die Welt zu betrachten, seine Wahrnehmung nachvollziehen zu können.
Natürlich erleichtern wir unseren Mitmenschen, sich in unsere persönlichen Welten versetzen zu können, indem wir offen und ehrlich darüber sprechen, was uns bewegt, beschäftigt und berührt. Das setzt wiederum eine Atmosphäre voraus, die durch Vertrauen und zumindest respektvollen Umgang miteinander geprägt ist, im Idealfall eine liebevolle Zugewandtheit. Mit dem Gefühl, geliebt, geborgen und angenommen zu werden, fällt das Öffnen des Herzens nicht mehr so schwer.

Natürlich gibt es auch wissenschaftliche Fakten, bei denen eine allgemein anerkannte Einigung über „richtig“ und „falsch“ gibt. Heute sind wir uns wohl die einig, dass die Welt eine Kugel ist. (Zu anderen Zeiten konnte man für diese „Wahrheit“ auf dem Scheiterhaufen landen, so ändern sich mit den Zeiten auch manche Wahrheiten.)
Begegnet uns nun ein Mensch, der davon überzeugt ist, dass die Erde die Form einer Pyramide hat, haben wir die Wahl, wie wir mit seiner Wahrheit umzugehen.
Auf der einen Seite können wir ihn mit wissenschaftlichen Beweisen überhäufen und mit mehr oder weniger Nachdruck so lange auf ihn einreden, bis er „einsieht“, dass die Erde eben keine Pyramide ist. Andererseits können wir ihn auch einfach als „bekloppt“ abstempeln oder als dritte Möglichkeit, seine Meinung einfach im Raum stehen lassen. Die Tatsache, dass jemand etwas anders sieht als wir, tut uns körperlich wohl kaum weh. Warum muss es also am Ende ein „Recht haben“ geben? Damit wir uns überlegen fühlen können?
Warum reicht es nicht, zu „wissen“, dass unser Standpunkt „richtig“ ist, wenn wir aus dem Gespräch gehen? Können wir die vermeintlich fehlende Einsicht nicht aushalten, ohne einen anderen Menschen zuvor noch klein machen zu müssen?

Für jedes Verständnis gibt es natürlich individuelle Grenzen. Für uns liegen sie immer da, wo andere Menschen diskriminiert oder verletzt werden. Extreme Meinungen und noch schlimmer – extreme Taten – gegen andere Menschen lehnen wir ab. Genau diese Menschen leben das Gegenteil von dem, was uns hier beschäftigt.

Jeden Tag haben wir alle die Chance, ein bisschen mehr aufeinander zu- und einzugehen. Nur wenn wir Liebe, Verständnis und Respekt in die Welt säen, können sie wachsen.
Wird denn Empathie nicht oft als besonders weibliche Eigenschaft bezeichnet?
Dann sollten wir sie üben, verbessern und vor allem leben und lehren!

~Jeden in seinem Sein sein lassen zu können,
ist der Anfang von Frieden! ~

Ravena

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